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Die Geschichte der Trachtengruppe Merenschwand AG

1930 haben sich, anlässlich der 100-Jahr-Feier des Freiämtersturms, zwölf Frauen entschlossen eine Freiämter Sonntagstracht zu nähen. Am 7. Dezember 1930 wurde sie am Umzug das erste Mal getragen. Die treibende Kraft dazu waren Bertha Fischer, Lehrerin und der Dorfarzt Dr. Paul Ruepp.

1932 wollte man sich der Schweizerischen Trachtenvereinigung anschliessen. Dies führte dazu, dass die neuen Trachten von der Kantonalpräsidentin Frau Laur begutachtet werden mussten. Wörtlich aus dem Protokoll: „Da ist es uns bös gegangen. Die Kantonalpräsidentin hatte überall etwas auszusetzen. Die Trachten mussten zum Teil umgearbeitet werden, dass die Gruppe an das Schweizerische Trachtenfest in Altdorf konnte.” Der Mitgliederbeitrag betrug drei Franken.
Der Mitbegründer Dr. Paul Ruepp wurde als Ehrenmitglied aufgenommen und wurde „Trachtengötti” genannt.

1933 an einer Freiämter Versammlung in Muri gab es Diskussionen über die teure Stickerei an der Festtagstracht. Es war sogar von Weglassen der Stickerei die Rede, damit die Tracht günstiger käme. Zum Glück kam man von diesem Gedanken wieder ab. Bertha Fischer war der Meinung, man müsse halt etwas länger sparen, um eine Festtagstracht anschaffen zu können. Die Trachtengruppe zählte nun 20 Mitglieder.

1935 haben die Trachtenfrauen an der Fasnacht 1300 Chüechli verkauft und damit die Kasse mit 60 Franken aufpoliert. Für jede Singprobe, bei zehn Proben im Jahr, bezahlte jedes Mitglied 20 Rappen für den Singleiter.

1936 fehlte eine Gesangsleitung, so übernahm Mitglied Martha Andermatt von der Post das Singen. Zu jener Zeit verzeichnete man einen grossen Mitgliederzuwachs, denn der Verein zählte bereits 36 Mitglieder.

1938 wurde der erste Heimatabend auf die Beine gestellt. Alle Vereine von Merenschwand halfen mit. Es gab Filmeinlagen und der Pfarrer orientierte über den Ortsnamen Merenschwand. Man führte ein Theaterspiel auf, das von der damaligen Präsidentin Bertha Fischer geschrieben wurde. Der Abend war so erfolgreich, dass er am folgenden Sonntag wiederholt werden musste. Zu diesem Anlass schrieb Bertha Fischer auch ein Freiämterlied, das die Gruppe heute noch hie und da singt.

1939 eine unbeschreibliche Freude für alle, die am Eidgenössischen Trachtenfest in Zürich, anlässlich der Landesausstellung teilnehmen konnten. Mit einem mit Garben beladenen Wagen machten die Merenschwander Trachtenfrauen am Umzug mit. Der Wagen wurde mit einem Traktor vom Sentenhof nach Zürich gezogen, aber für den Umzug wurden dann zwei Pferde eingespannt.
Der Verkauf des 1. August-Abzeichens war für viele Jahre die Aufgabe der Trachten.

1940 Während den 40er Jahren hatten die Trachtenfrauen mit dem Männerchor jährlich eine Klausbescherung durchgeführt. Die Frauen haben gestrickt und genäht wie Hemden, Hosen, Röcke, Handschuhe und Finken für die Kinder. Bis zu 200 Kleidungsstücke fanden in den Kriegsjahren dankbare Abnehmer.
Bei Bauersleuten wurden auch „Stubeten” abgehalten. Auch bei Familie Weber, Hagnau, wo drei Töchter Mitglied waren, wurde gegessen, getrunken und gesungen. Bertha Fischer trug eine Schnitzelbank vor, die heute noch vorhanden ist.

Vereinsfoto der Trachtengruppe Merenschwand um 1940 vor der alten Post

Hinterste Reihe von links:
Wey Anna, Huwiler Martha, Huwiler Klara, Huwiler Anna, Giger Heidy, Räber Marie (s’Tadee), Wey Marie, Frau Fischer (Wagner Chaspers)

2. Reihe, von links:
Räber Ida (s’Tadee), Fischer Nelly, Fischer Ruth, Räber Berta, Fischer Elisabeth, Fischer Luzia, Leuthard Marie, Fischer Margrit

3. Reihe, von links:
Andermatt Martha (Post), Räber Ida (Gass), Rey-Ruf Anna, Frau Fischer-Bütler, Andermatt Berta (s’Chüefers), Rey Emilie, Heim Marie (heute Frau Moos, Mühlau), Marie Bachmann, (Mühlau), Kaufmann-Andermatt Anna, Frau Galatti-Spani

4. Reihe, von links:
Fischer-Amhof Ida, Räber Anna (Gass), Frau Fischer-Stäubli, Stöckli Anna (Pfarrhaus), Giger Margrit (Lehrers), Giger-Brögli Lys, Fischer Bertha (Lehrerin, Vereinspräsidentin), Wicki Margrit, Schmid Klärli (s’Hütteheiris), Frl. Invernizzi, Krebs Marie (Mühlau), Pusinelli-Fischer Josefina, Burkart Anna (Bunau)

Vorderste Reihe, von links:
Fischer Pia, Huwiler Marlies (Restaurant), Huwiler Lisabeth (Restaurant), Heggli Anna (Gass), Heggli Ida (Gass), Leuthard Luise (s’Chüeferlonzis), Pusinelli Erwinia, Andermatt Marie (beim Schwanen), Keusch Josefine

1942 erwarb das Mitglied Josefina Pusinelli-Fischer das Diplom zur offiziellen Trachtenschneiderin für das Freiamt. Dies war ein Grund, warum nun mehr Festtagstrachten getragen wurden. Martha Käppeli, Hinterdorf, fertigte die schönen Strohtaschen an.

1945 fanden keine Proben statt, denn man hatte viel zu tun in Haus und Hof.

1946 Teilnahme am Unspunnenfest in Interlaken, das kurzfristig per Telegramm, wegen schlechten Wetters um zwei Wochen verschoben wurde. Die Festschar konnte dann bei schönstem Wetter, die 20. Schweizerische Delegiertenversammlung auf der Höhenmatte und ein kleines Volkstanztreffen abhalten. Es fanden 20 Singproben statt.
In diesem Jahr starb die fröhliche und nimmermüde Bertha Fischer an einem Verkehrsunfall. Ganz Merenschwand trauerte und in der Trachtengruppe wurde es eine Zeit lang ruhiger.

1950 war die Trachtengruppe nicht sehr aktiv und der Probenbesuch schlecht, obwohl die Mitgliederliste gross war. An der Generalversammlung kam der Aufruf, es sollen doch mehr Trachten an der Fronleichnams-Prozession teilnehmen.

1955 wurden die Turner zugezogen, um am Heimatabend einige Volkstänze machen zu können.

1956 konnte die Gruppe mit den Trachtenleuten aus Wohlen das erste Mal an der Waldshuter Kilbi teilnehmen. Schon damals wurden das Essen und der Car von den Organisatoren übernommen. Aus dem Protokoll: „So etwas liessen wir uns jedes Jahr bieten.”

1963 führte die Trachtenreise mit dem Car auf die Insel Mainau. Der Beitrag aus der Kasse für diese Reise wurde abgestuft, je nach Anzahl Jahre der Vereinsmit-gliedschaft.

1964 übte Tanzleiterin Margrit Schaffhauser mit der Trachtengruppe vier
Volkstänze für die Expo in Lausanne ein: Lüderepolka, Kreuzpolka, Mistträppeler, Oberländer Schottisch. Aus dem Protokoll:” Die Leiterin war erbost über die vielen Absenzen, aber am Schluss hatten wir die Tänze ordentlich in den Beinen!”

1966 aus dem GV-Protokoll: „Die Tanzmeisterin Margrit Schaffhauser kam noch in Wallung! Wir mussten uns direkt schämen, so ungelehrige Tänzerinnen gibt es nirgends?” Der schlechte Probenbesuch führte zu dieser Aussage. Immer wieder ein Problem, weil eine Singleitung fehlte. Man war froh, wenn wieder Marie Fischer-Wetli ans Klavier sass.

1968 gab die Rocklänge bei den Trachten viel zu reden. Bei einer Zusammenkunft der Freiämter Trachtengruppen mit Kantonalpräsident Dr. E. Dettwiler war dies ein grosses Thema. Aus dem Protokoll: „Es wurde gemessen und gemessen und man einigte sich auf 32 cm vom Boden für die Alten und 34 cm für die Jungen und die Festtagstracht soll noch näher beim Boden sein. Es gab dann noch ein anderes Problem, als gefragt wurde, wo die Grenze zwischen alt und jung sei?”

1969 durfte die Trachtengruppe mit dem Musikverein Merenschwand für drei Tage nach Eislingen, Deutschland. Sie alle verbrachten dort unvergessliche Tage in verschiedenen Gastfamilien. Sie machten am Umzug mit und am Deutsch-Schweizerischen Unterhaltungsabend bereicherten sie mit Tänzen und Liedern das Programm.

1974 wird der traditionelle Maskenball der Trachtengruppe vom Schwanensaal, nun in der neuen Mehrzweckhalle, nicht mehr durchgeführt. In diesem Jahr konnten endlich weitere Männer in den Trachtenverein aufgenommen werden.

1980 feierte die Trachtengruppe Merenschwand das 50-jährige Jubiläum. Einige Dorfvereine und Nachbars-Trachtengruppen gaben ein Ständchen. Auch die Trachten aus Altdorf, mit denen damals eine rege Freundschaft gepflegt wurde, beehrten uns mit einem Auftritt,. Ein Wehmutstropfen an diesem Abend war, dass die vielen geschenkten Blumengebinde gestohlen wurden.

1984 schrieb Gründungsmitglied Ida Aebischer-Räber einen Rückblick von der Trachtengruppe Merenschwand und beendigte diesen mit einem Spruch von Schoppenhauer:
„Im Alter gibt es keinen schöneren Trost, als man die ganze Kraft seiner Jugend die geblieben, Werken einverleibt, die nicht mitaltern.”